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Der Ober⸗Ceremonienmeiſter mußte ſich dieſer kö⸗ niglichen Entſcheidung fügen, aber, indem er es that, ſagte er tief traurig:„Ew. Majeſtät geruhen zu lä⸗ cheln, aber das Kleid macht die Hälfte des Menſchen aus, die Gleichheit im Anzuge verwirrt die Rang⸗ ordnung und führt auf geradem Wege zu einem agra⸗ riſchen Geſetz.“
„Ja, Marquis,“ rief der König lachend,„Sie denken wie Figaro: Mancher ſpottet eines Richters im kurzen Rock, der vor einem Procurator im langen Gewande zittert“*).
Wenn der König aber die Contre⸗Revolution der Moden zurückgewieſen hatte, ſo entſchädigte er den Ober⸗Ceremonienmeiſter de Bregé dadurch, daß er ihm geſtattete, die ganze Etiquette des alten Frank⸗ reichs wieder einzuführen.
Der König durfte demgemäß nie anders als unter Beihülfe ſeiner„Kammer“ ſich Morgens von ſeinem Lager erheben, und er that es nicht eher, als bis die Thür ſich allen Denen, welche la grande entrée hatten, das heißt den Beamten des Hauſes, den Standesperſonen, den Marſchällen von Frankreich, einigen bevorzugten Damen, ferner dem Caffetier, dem Schneider, dem Pantoffelträger, dem ordentlichen ausübenden Barbier, zwei Barbiergehülfen, dem Uhr⸗ macher und den Apothekern des Viertels geöffnet hatte.—
Im Beiſein aller dieſer Bevorzugten ward der König angekleidet, die Etiquette erlaubte ihm nur, ſich ſelber das Halstuch zu knüpfen, ſie gebot ihm aber, ſeine Taſchen vom vorhergehenden Abend aus⸗ zuleeren.— 3
Auch die Mode des alten Frankreichs, die Mode
*) Mémoires d'une femme de qualité. Vol. I. p. 384. 4


