Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 5—

den man, wenn er todt iſt, pomphaft in St. Dénis begräbt. Der Herr iſt der, welcher gebietet und ſich Gehorſam zu erzwingen verſteht, der die Intriguen zerſtören und den alten Frauen wie den Prieſtern Stillſchweigen auferlegen kann. Bonaparte war zu⸗ gleich der König und der Herr! Seine Miniſter waren ſeine Commis, die Könige, ſeine Brüder, wei⸗ ter nichts als ſeine Intendanten, und ſeine Hofleute wenig mehr als ſeine Diener. Seine Miniſter mach⸗ ten ſeinem Senat in der Servilität den Rang ſtrei⸗ tig, und ſein Corps législatif ſuchte den Senat und die Kirche noch darin zu überbieten. Es war in der That ein außerordentlicher und auch ein beneidens⸗ werther Mann, denn er hatte nicht blos ergebene Diener, treue Freunde, ſondern auch eine gefällige Kirche.“*).

König Ludwig XVIII., der ewigen Zwiſtigkeiten und Intriguen müde, welche ſeine Umgebung beſchäf⸗ tigten, zog ſich, wie geſagt, mehr in das Innere ſei⸗ nes Palaſtes zurück und ließ Herrn von Blacas re⸗ gieren, der freilich, trotz ſeines Hochmuths und ſeiner Eigenliebe, ſehr wenig vom Regieren verſtand.

Der König zog es vor, mit ſeinen Freunden geiſt⸗ reich zu plaudern, ihnen Stellen aus ſeinen Memoi⸗ ren vorzuleſen, ſeine Verſe von ihnen bewundern zu laſſen und durch ſeine geiſtvollen, nicht immer ſehr unzweideutigen Anekdoten ihr Entzücken zu erregen, ſtatt mit ſeinen Miniſtern langweilige Streitigkeiten und nutzloſe Dispute zu haben. Er hatte ſeinem Volke die Charte gegeben und nach der Charte konn⸗ ten ſeine Miniſter jetzt regieren.

„Man will Freiheit,“ ſagte der König,„ich gebe deren genug, um gegen Despotismus zu ſchützen, und

*) Mémoires d'une femme de qualité. Vol. V. p. 35.