Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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„Man hatte mir da draußen eingebildet,“ ſagte Ludwig XVIII.,„die Feldherren Bonaparte's ſeien alle Bauern und Grobiane, aber das iſt eine Un⸗ wahrheit. Der Mann hat ſie vortrefflich geſchult. Sie ſind höflich und eben ſo ſchlau als die Agenten des alten Hofes. Wir müſſen ihnen gegenüber ſehr vorſichtig ſein.“*)

Dieſe Art Anerkennung der Vergangenheit, welche Ludwig XVIII. zuweilen entſchlüpfte, war für die Herren des alten Frankreichs ein Gegenſtand bitterer Sorge und tiefen Unwillens, den ſie ſich nicht immer bemühten, dem König zu verbergen.

Ludwig fühlte das, und um ſeinen eiferſüchtigen alten Hof zu verſöhnen, ſah er ſich oft wider ſeinen Villen genöthigt,„die Emporkömmlinge,“ welche ſich in des Letzteren Mitte gedrängt, zu demüthigen und zurückzuſetzen.

Stete Verſtimmungen, Zänkereien und Intriguen im Innern der Tuilerieen waren die Folge davon, und oft inmitten des Glanzes, der ihn jetzt umgab, ward Ludwig verſtimmt, unwillig und verzagt.

„Ich bin zornig gegen mich und die Andern,“ ſagte er einſt in ſolcher Stimmung zu ſeiner Ver⸗ trauten.„Eine unſichtbare und geheimnißvolle Ge⸗ walt arbeitet immer meinem Willen entgegen, ver⸗ nichtet meine Pläne, paralyſirt meine Autorität.“

„Und doch ſind Sie der König!“

„Ohne Zweifel bin ich der König!“ rief Ludwig unwillig,„aber bin ich auch der Herr? Der König iſt der, welcher ſein Leben hindurch die Geſandten zu empfangen, langweilige Audienzen zu geben, tödtende Reden anzuhören hat, der in Ceremonie nach Notre⸗ Dame geht, alle Jahre einmal öffentlich dinirt, und

*) Mémoires d'une femme de qualité. Vol. I. p. 215.