Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Sie fragte mich um Rath, welche Perſonen ihrer Geſellſchaft wohl geeignet und geiſtig befähigt ſein möchten, der Frau von Staöl gegenüber zu treten.

„Ich, meinestheils,“ ſagte die Königin,„fühle nicht den Muth in mir, die Converſation zurleiten; wenn man Kummer hat, kann man nicht ſehr geiſt⸗ reich ſein, und ich fürchte, meine Geiſtesträgheit wird auch die Andern anſtecken.“

Wir ließen viele ſehr liebenswürdige Leute die Revue paſſiren, und ich amüſirte mich bei jedem neuen Namen zu ſagen: er iſt zu dumm für Frau von Stasl.

Die Königin lachte, und die Liſte der Einzu⸗ ladenden ward endlich fixirt.— In geſpannter Er⸗ wartung ſahen wir Alle der Ankunft der beiden Damen entgegen. Die Verpflichtungen, welche uns die Königin auferlegt hatte, bon gré mal gré geiſt⸗ reich zu ſein, hatte auf alle unſere Geſichter einen ziemlich verlegenen und ſtupiden Ausdruck gezaubert. Wir hatten das Ausſehen von Schauſpielern, die im Begriff ſind, auf die Bühne zu treten, und ſich ein⸗ ander anſehen, indem ſie das Aufziehen des Vorhangs erwarten. Die Scherze und Bonmots folgten ſich wie an einem electriſchen Faden bis zur Ankunft des Wagens, deſſen Heranrollen uns ſofort wieder unſere officielle Ernſthaftigkeit annehmen ließ.

Madame Recamier, noch jung, und ſehr hübſch, und mit einem Ausdruck von Naivetät in ihrem rei⸗ zenden Geſicht, machte mir den Eindruck einer jun⸗ gen Liebhaberin, in Banden gehalten von einer zu ſtrengen Duenna, ſo ſehr contraſtirte ihre ſchüchterne und ſanfte Miene zu dem etwas zu männlichen Selbſt⸗

bewußtſein ihrer Gefährtin. Man bezeichnete indeſſen Frau von Staöl überall als ſehr edel und gut, be⸗

ſonders gegen ihre Freundin, und ich ſpreche nur von