Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

dem Füllhorn ſeiner Gnade eine Million ausſchütten ſollte.

Da ſie ſelbſt nicht nach Frankreich kommen durfte, ſandte ſie dahin ihren Sohn, um beim Kaiſer für ſie und ihre Million zu plaidiren. Wohl w deß, wie ſchwer es auch ihrem Sohn wert 3 ſich beim Kaiſer Gehör zu verſchaffen, wandte ſie ſich mit beredeten und geiſtvollen Briefen an die Königin Hortenſe und flehte dieſe um ihren Schutz und ihre Vermittelung an.

Hortenſe ſtets voll Mitgefühl für das Unglück, begte die lebhafteſte Theilnahme und Bewunderung für das ausgezeichnete Genie der großen Dichterin, und ward die beredte und muthige Fürſprecherin der Frau von Staël. Sie allein wagte es, des Stirn⸗ runzelns und des Mißfallens Napoleon's nicht ach⸗ tend, immer wieder die Sache der armen Exilirten zu verfechten, und um ihre Rückberufung als um einen Act der Gerechtigkeit zu flehen, ja ſie ging in ihrer edlen Großmuth ſo weit, den überall gemiedenen und geflohenen Sohn der Dichterin gaſtlich bei ſich aufzunehmen, und in ihren Salon zu laden.

Hortenſens ſanfter, beredter Bitte, ihren Vorſtel⸗ lungen gelang es auch, Napoleons Zorn zu mildern. Er erlaubte der Frau von Staël nach Frankreich zurück⸗ zukehren, nur ſollte ihr Fuß niemals Paris und deſſen Umgebung zu betreten wagen; ſodann bewilligte er auf Hortenſens Wunſch dem Sohn der Frau von Stasl die ſo lange vergeblich erflehte Gunſt einer Audienz.

Dieſe Unterredung Napoleons mit dem Sohn der

Frau von Staél iſt eben ſo merkwürdig als originell. Napoleon zeigte in derſelben unverholen ſeinen Un⸗ muth, ja ſeinen Haß gegen Frau von Staël ſowohl, als gegen ihren Vater, und hörte gleichwohl mit