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Königs,„ach, welch eine intereſſante Frau war doch die unvergeßliche Joſephine! Welcher Tact, welche Güte, welch ein ſchönes Maaß in Allem, was ſie that! Auch das iſt noch fein und tactvoll und dem guten Geſchmack gemäß, daß ſie gerade in dieſem Moment geſtorben iſt.“—
Die Königin war gleich nach dem Tode der Kai⸗ ſerin faſt gewaltſam von ihrem Bruder aus dem Sterbezimmer fortgeführt, mit Eugène und ihren Kindern nach St. Leu gegangen. Nur ihre beiden Enkel folgten dem Sarge der Kaiſerin, welche in Malmaiſon begraben ward. Der Kummer hatte ihre beiden Kinder auf das Krankenlager geworfen, und hinter den kleinen Prinzen Napoleon und Louis Na⸗ poleon ſah man nicht ihre Verwandten, ſondern den ruſſiſchen General von Sacken, welcher den Kaiſer vertrat, und die Equipagen aller der Könige und Fürſten, mit deren Hülfe die Napoleoniden von ihren Thronen geſtoßen und die Bourbonen heim⸗ gekehrt waren.
In St. Leu brachte der Kaiſer Alexander die letzte Nacht in Frankreich zu, bevor er nach England ab⸗ reiſte, und als er von Eugène und Hortenſen welche nur auf das dringende Bitten ihres Bruders ſich entſchloß, zum erſten Male nach dem Tode ihrer Mutter ihr Zimmer zu verlaſſen und den Kaiſer zu ſehen, Abſchied nahm, verſicherte er ſie Beide ſeiner unwandelbaren Freundſchaft und Anhänglichkeit. Da er wußte, daß der Geſandte, welchen er in Paris zurückließ, Pozzo di Borgo, ein unverſöhnlicher Feind Napoleons und ſeiner Familie ſei*), hatte er dieſem
*) Pozzo di Borgo ſagte, als er die Nachricht von dem Tode des Kaiſers auf St. Helena erhielt:„Ich babe ihn nicht getödtet, aber ich habe die letzte Handvoll Erde auf ſeinen Sarg geworfen, damit cr nicht wieder auferſtehen könnte.“
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