6 — 197— Geſandten einen von Fräulein von Cochelet ſelbſt ausgewählten Geſandſchafts⸗Attaché, Herrn von Bou⸗ tiakin, beigegeben, durch den er die Briefe und Wünſche der Königin und ihrer treuen Geſellſchaftsdame em⸗ pfangen und beantworten wollte.
Wenige Tage ſpäter verließ auch Eugéne St. Leu und ſeine Schweſter Hortenſe, um mit dem König von Baiern nach Deutſchland, in ſeine neue Heimath zurückzukehren.
Hortenſe blickte ihm traurig nach. Sie fühlte jetzt erſt ganz ihre düſtere Verlaſſenheit, die troſtloſe Einſamkeit, welche ſie umgab.
Sie hatte nicht geweint, als alle Größe und Pracht, welche ſie ſonſt umgeben, in Trümmer zu⸗ ſammenfiel, ſie hatte nicht gejammert, als der Orkan des zürnenden Schickſals die Kronen von den Häup⸗ tern all ihrer Verwandten herniederſchleuderte, ſondern hatte mit ruhiger Reſignation auch ihr Haupt dieſem Sturmwind dargeboten und dazu gelächelt, als er ihr den Königstitel und die Pracht und Herrlichkeit ihrer Vergangenheit nahm, aber jetzt, wie ſie einſam, verlaſſen, Niemand neben ſich, als ihre beiden kleinen Knaben und die wenigen Damen, welche ihr treu geblieben, in dem Salon ihres Schloſſes St. Leu ſtand, jetzt weinte Hortenſe.
„Ach,“ rief ſie unter Thränenſtrömen, dem Fräu⸗ lein von Cochelet die Hand darreichend,„es iſt zu Ende mit meinem Muth! Meine Mutter lebt nicht mehr, mein Bruder hat mich verlaſſen, Kaiſer Alexan⸗ der wird bald genug all die verſprochene Protection vergeſſen und ich allein muß mit meinen beiden Kin⸗ dern kämpfen gegen all dieſe Widerwärtigkeiten, dieſe Feindſeligkeiten, welche man mir um des Namens willen, den ich trage, entgegenſetzen wird! Ach, ich fürchte, ich werde es zu bereuen haben, daß ich mich


