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halten, mit Eugéne wieder in das Zimmer trat, als ſie ihre Mutter ſah, welche ihnen die Arme entgegen⸗ ſtreckte und vergeblich verſuchte, zu ihnen zu ſprechen, ſank Hortenſe bewußtlos an dem Lager ihrer Mutter
zuſammen, und in Eugénes Armen hauchte die Kai⸗
ſerin ihren letzten Seufzer aus.
Die Kunde von dem Tode der Kaiſerin machte in Paris eine erſchütternde Wirkung. Es war, als ob ganz Paris auf einen Tag vergeſſen hätte, daß Napoleon nicht mehr der Herrſcher von Frankreich ſei, und daß die Bourbonen wieder den Thron ihrer Väter beſtiegen. Jedermann klagte, Jedermann war traurig, denn die Herzen der Franzoſen hatten die Frau nicht vergeſſen, welche ſo lange ihre Wohlthä⸗ terin geweſen, von der Jeder die rührendſten Züge ihrer Güte, ihrer Großmuth und Milde zu erzählen wußte.
Joſephine erhob ſich jetzt, da ſie geſtorben war, noch einmal als Kaiſerin in den Herzen der Fran⸗ zoſen und Tauſende von Menſchen ſtrömten nach Malmaiſon, um ihrer geſtorbenen Kaiſerin die letzte Huldigung darzubringen. Selbſt das Faubourg St. Germain nahm Theil an dem Bedauern der Pariſer; dieſe jetzt ſo ſtolzen, ſo übermüthigen Roya⸗ liſtinnen, welche mit den Bourbonen heimgekehrt waren, mochten vielleicht einen Moment der Wohl⸗ thaten gedenken, welche ihnen die Kaiſerin erwieſen, als ſie die mächtige Herrſcherin von Frankreich ge⸗ weſen und die Hälfte ihres Nadelgeldes zur Unter⸗ ſtützung der Emigrirten verwandt hatte. Sie waren mit König Ludwig heimgekehrt, ohne daran zu den⸗ ken, der vergeſſenen Wohlthäterin ihren Dank dar⸗ zubringen; jetzt, da ſie todt war, wollten ſie ihr den Zoll ihrer Bewunderung nicht verſagen.
„Ach,“ rief Frau von Cayla, die Freundin des


