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von ihren Wangen zu nehmen und ihr bleiches An⸗ geſicht zu zeigen, welches der Tod ſchon leiſe berührt hatte.
„Majeſtät, Sie ſind krank!“ rief der Kaiſer entſetzt.
Joſephine deutete mit einem Lächeln, welches Thrä⸗ nen in die Augen Alexanders trieb, auf ihre Bruſt und flüſterte:„Sire, ich habe da den Todesſtoß empfangen!“
Ja, ſie hatte Recht, ſie hatte den Todesſtoß em⸗ pfangen und ihr Herz verblutete ſich. Der Kaiſer, entſetzt von dem Zuſtande Joſephinens, eilte ſofort nach Paris und ſchickte ſeinen eigenen Arzt nach Malmaiſon, um Nachricht von dem Zuſtand der Kranken zu erhalten. Als dieſer zurückkehrte, ſagte er dem Kaiſer, daß Joſephine gefährlich krank ſei, und er nicht mehr an die Geneſung glaube.
Er hatte Recht und Alexander ſah die Kaiſerin nicht wieder!
Hortenſe und Eugone, ihre beiden Kinder, wachten eine traurige Nacht am Lager ihrer Mutter, ſie riefen die geſchickteſten Aerzte herbei, aber dieſe beſtätigten nur, was auch der ruſſiſche Arzt geſagt,— der Zu⸗ ſtand der Kaiſerin war hoffnungslos. Ihr Herz war gebrochen! Sie hatte es mit ſtarken Händen ſo lange zuſammengehalten, als ihr Leben für ihre Kinder nothwendig ſchien. Jetzt, da auch Hortenſens Schick⸗ ſal entſchieden, da ſie wußte, daß ihre Enkel wenig⸗ ſtens nicht als verbannte Bettler umherirren müßten, jetzt zog Joſephine ihre Hände von ihrem Herzen zurück und ließ es verbluten.
Den 29. Mai 1814 ſtarb die Kaiſerin Joſephine nach einer Krankheit, welche äußerlich nur zwei Tage gedauert hatte. Hortenſe hatte die Todesſeufzer ihrer Mutter nicht empfangen; als ſie, nachdem Joſephine von dem Abbé Bertrand die Sterbe⸗Sacramente er⸗


