Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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wohl Recht hatte, zu ſagen, es gäbe ſonſt nirgends auf der Welt ein zweites Exemplar davon. Auf die⸗ ſer Camée waren neben einander die Köpfe Alexan⸗ ders des Großen und ſeines Vaters Philipp von Macedonien dargeſtellt, und die Schönheit der Arbeit ſowohl, wie die Größe des Steines machten dieſe Camée zu einem Kleinod von unſchätzbarem Werth. Kaiſer Alexander weigerte ſich daher anfangs, dieſes wahrhaft kaiſerliche Geſchenk anzunehmen, und er that es erſt dann, als er gewahrte, daß ſeine Weigerung die Kaiſerin, Pelche heute ungewöhnlich bleich und reizbar ſchien, Lerletzen würde.

Joſephine war in der That an dieſem Tage trau⸗ riger als ſonſt, denn die Königsfamilie der Bour⸗ bonen hatte ihrem Herzen heute einen neuen Kummer bereitet. Joſephine hatte in den Journalen einen Artikel geleſen, in welchem in den verachtungsvollſten und härteſten Ausdrücken daran erinnert ward, daß in Notre⸗Dame die Leiche des älteſten Sohnes der Königin von Holland ſich befände, und hinzugefügt ward, daß der Miniſter Blacas den Befehl erlaſſen habe, den Sarg aus Notre⸗Dame fortzunehmen und ihn auf einem gewöhnlichen Kirchhofe einzugraben.

Hortenſe, welche dieſen Artikel geleſen, war nach Paris geeilt, um die Leiche des Kindes, um welches ſie ſo viel geweint, ſich ſelber aus Notre⸗Dame zu holen, und ſie in der Kirche von St. Leu beiſetzen zu laſſen.

Als Joſephine dem Kaiſer dieſe neue Beleidigung erzählte, bedeckte eine tödtliche Bläſſe ihr Antlitz und ihre ganze Geſtalt bebte.

Zum erſten Male hatte Joſephine heute nicht die Kraft, ihre Leiden zu verbergen, Hortenſe war nicht da, und ſie durfte ſich alſo wohl einmal den trau⸗ rigen Troſt gönnen, das Lächeln und die Schminke

Königin Hortenſe. I. 13