Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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ſich in die Stille ihrer Gemächer zurückzuziehen, aber ſie mußte dem Wohl ihrer Tochter und ihrer Enkel, wie ſie meinte, dies Opfer bringen, und ſie, die zärt⸗ liche Mutter konnte thun, was Hortenſens Stolz ihr nicht erlaubte, ſie konnte beim Kaiſer Alexander bit⸗ ten, ſich des Schickſals ihrer Tochter zu erbarmen. Als es daher dem Czaren endlich gelungen war,

ihr Loos zu fixiren und die Ausfertigung von Patent⸗

briefen, welche der Königin das Herzogthum St. Leu ſicherten, zu erhalten, eilte Alexander ſogleich nach Malmaiſon, um vor allen Dingen der Kaiſerin Jo⸗ ſephine dieſe glückliche Nachricht zu bringen.

Sie dankte ihm nicht mit Worten, ſondern mit

hervorſtürzenden Thränen und reichte dem Kaiſer ihre beiden Hände dar. Dann bat ſie ihn mit rührender Innigkeit, von ihr ein Andenken an dieſe Stunde an⸗ zunehmen.

Der Kaiſer deutete auf eine Taſſe hin, auf wel⸗ cher das Porträt Joſephinens gemalt war, und bat ſie ihm dieſe zu ſchenken.

Nein, Sire, ſagte ſie,ſolche Taſſe kann man überall kaufen. Aber ich möchte Ihnen etwas geben, was man ſonſt nirgends auf der Welt haben kann, und welches Sie zuweilen an mich erinnern wird. Es iſt ein Geſchenk, welches ich am Tage meiner Kaiſerkrönung von Papſt Pius VIlI. erhalten habe. Heute an dem Tage, da Sie meiner Tochter die Her⸗ zogskrone bringen, will ich Ihnen dieſes Andenken geben, Sire, damit es Sie zugleich an die Mutter und die Tochter, an die entthronte Kaiſerin und die entthronte Königin erinnern möge!

Dieſes Geſchenk, welches ſie jetzt mit einem be⸗

zaubernden Lächeln dem Kaiſer darreichte, war eine

antike Camée von ungeheurer Größe und ſo wun⸗ derbarer, meiſterhafter Ausführung, daß die Kaiſerin