Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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ſetzte, umarmte er den Knaben mit tiefer Rührung

und küßte ihn zärtlich.

Dann, um dem kleinen Prinzen gleich einen Lohn zu gewähren, befeſtigte er den kleinen Ring an ſeiner Uhrkette und ſchwur, daß er dieſes Andenken tragen wolle, ſo lange er lebe.*)

XVII. CTod der Raiſerin Joſephine.

Seit Napoleon's Stern erblichen war und er als ein Verbannter Frankreich hatte verlaſſen müſſen, ſchien auch Joſephinen das Leben wie mit einem dü⸗ ſteren Trauerſchleier überdeckt zu ſein, fühlte ſie, daß ihre Sonne untergegangen und die Nacht für ſie ge⸗ kommen ſei. Aber ſie bewahrte dies Gefühl als ein heiliges Geheimniß in ihrer Seele, und niemals ver⸗ rieth ſie durch eine Klage, einen Seufzer, ihrer zärt⸗ lichen Tochter die Schmerzen, die ſie empfand. Sie klagte nur um den Kaiſer, ſie ſeufzte nur um das Loos ihrer Kinder und ihrer Enkel. Sich ſelber ſchien ſie ganz vergeſſen zu haben, für ſich hatte ſie gar keine Wünſche mehr. Mit ihrer nicht gealterten, jugendfriſchen Anmuth und Grazie machte ſie den fremden Souveränen in Malmaiſon die Honneurs ihres Hauſes und zwang ſich zu jener Ruhe, von welcher ihre Seele nichts empfand. Sie würde es vorgezogen haben, mit ihren Leiden und ihrem Gram

) Cochelet. Vol. I. p. 355.