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poleon mit zornigem Erröthen,„dann alſo ſind ſie die Feinde meines Oncles, des Kaiſers. Warum um⸗ armte uns denn dieſer Kaiſer von Rußland?“
„Weil er ein edler und großmüthiger Feind iſt, der in Ihrem jetzigen Unglück Ihnen Beiden und Ihrer Mutter nützlich ſein will. Ohne ihn würden Sie nichts auf der Welt mehr beſitzen, und das Schick⸗ ſal Ihres Oneles, des Kaiſers, würde noch viel trau⸗ riger ſein, als es jetzt ſchon iſt.“
„Dann müſſen wir ihn wohl ſehr lieb haben, dieſen Kaiſer da?“ fragte der kleine Louis Napoleon.
„Ja gewiß, denn Sie ſind ihm Dankbarkeit ſchuldig.“
Der kleine Prinz blieb ſinnend und ſchweigend ſtehen, und heftete ſeine dunklen Augen unverwandt und mit einem tiefſinnigen Ausdruck auf den Kai⸗ ſer, welcher ſich eben mit der Kaiſerin Joſephine unterhielt.—
Als der Kaiſer Alexander am andern Tage wie⸗ der nach Malmaiſon kam und im Gartenſalon neben der Königin ſaß, näherte der kleine Lonis Napoleon ganz leiſe auf den Zehen ſich hinter dem Rücken des Kaiſers, ſchob dann einen kleinen blitzenden Gegenſtand in die Hand des Kaiſers und ſprang eilig von dannen.
Die Königin rief ihn zurück und fragte mit zür⸗ nendem Ernſt, was er gethan habe.
Der kleine Prinz kehrte zögernd zurück und ſein Haupt verlegen auf die Bruſt ſenkend, ſagte er mit tiefem Erröthen:„Ach, Maman, es iſt der Ring, welchen mir Onkel Eugene geſchenkt hat, und ich wollt; ihn jetzt dem Kaiſer ſchenken, weil er ſo gut gegen meine Mama iſt!“
Kaiſer Alexander zog den kleinen Louis Napoleon zu ſich heran und indem er ihn auf ſeinen Schooß


