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Napoleon mit dieſen hochtönenden Titeln anredete; die Königin, ihre Mutter, hatte es niemals geduldet, daß die Knaben von ihrer Umgebung anders, als nur einfach mit ihren Namen genannt würden. Sie wollte ſie bewahren vor dem eitlen Stolz auf ihre Größe, und ſie lehren, ihre Bedeutſamkeit nur aus ſich ſelber zu ſchöpfen.
Kurz darauf ward der König von Preußen mit den Prinzen gemeldet, und der Kaiſer mit ſeinen Brüdern verließ die beiden jungen Prinzen, um dem König entgegenzugehen.
Während der Kaiſer und der König ſich begrüßten, fragten die beiden Söhne Hortenſens ihre Gouver⸗ nante um die Namen der eben eintretenden Herren.
„Es iſt der König von Preußen,“ flüſterte die Gouvernante,„und der Herr, welcher eben mit Ihnen ſprach, iſt der Kaiſer von Rußland.“
Der kleine Louis Napoleon ſchaute nachdenklich einen Augenblick hinüber nach den hohen Geſtalten der Fürſten, deren hochtönende Namen ihm gar nicht imponirten; er war ſo gewohnt, Könige bei ſeiner Mutter zu ſehen, und dieſe Könige waren immer Oneles geweſen, 3
„Mademoiſelle,“ ſagte der kleine Louis Napoleon nach einer Pauſe,„ſind dieſe beiden neuen Herren, der Kaiſer und der König, auch wie alle Andern unſere Oncles und müſſen wir ſie ſo nennen?“
„Nein, Louis, Sie nennen ſie einfach:„Sire!“
„Aber,“ fragte der Knabe ſinnend,„warum ſind dieſe denn nicht unſere Oncles?“
Die Gouvernante zog die beiden Kinder weiter zurück in den Hintergrund des Saales und erklärte ihnen leiſe, daß die Kaiſer und Könige, die jetzt in Paris wären, weit entfernt davon, ihre Oncles zu ſein, ihre Beſieger wären.
Dann alſo,“ rief der ältere Knabe Louis Na⸗
„D


