— 185— über das Unheil ihres Gemahls zu tröſten. Sie dachte an Joſephine, welche das Schickſal Napoleons ſo tief bekümmerte, und da ſie, ſtatt die Kaiſerin Marie Louiſe zu tröſten, ſie nur genirte, ſo eilte ſie, dieſelbe von ihrer Gegenwart zu befreien.
Und endlich jetzt beugte Hortenſe der Nothwen⸗ digkeit ihr edles, keuſches Herz, endlich gab ſie den Bitten und Vorſtellungen ihrer Mutter, welche nach Malmaiſon zurückgekehrt war, und ihrer Freunde Gehör und kam nach Paris. Man hatte ihr zu oft wiederholt, daß ſie es ihren Söhnen ſchuldig ſei, ihnen eine Zukunft und ein Vermögen zu ſichern, als daß ſie nicht ihr perſönliches Widerſtreben hätte überwinden und ſich dieſem neuen Gebot der Pflicht fügen ſollen..
Sie war alſo auf einige Tage nach Paris in ihr Hôtel zurückgekehrt, deſſen Oede und Stille mit trauriger Beredtſamkeit ſie an die verlorene Größe erinnerte.
Dieſe Säle, welche einſt der Verſammlungsort ſo vieler Könige und Fürſten geweſen, ſtanden jetzt ver⸗ ödet, und trugen auf ihren beſchmutzten Parquets die Spuren der Füße der feindlichen Soldaten, denen das Hôtel der Königin in letzterer Zeit als Kaſerne gedient hatte. Jetzt hatten ſie auf Begehren des Czaren das Höôtel verlaſſen, aber auch die Die⸗ nerſchaft der Königin hatte es verlaſſen. Treulos und undankbar hatten ſie der untergegangenen Sonne den Rücken gekehrt und waren dem Gewitter ent⸗ flohen, das die Krone ihrer Herrin zerſchmettert hatte.
Als Kaiſer Alexander daher, von der Ankunft der Königin in Paris benachrichtigt, ſofort zu ihr in ihr Hötel eilte, kam ihm die Königin allein bis in das
äußerſte Vorzimmer entgegen.
„ Sire,“ ſagte ſie mit einem ſanften Lächeln,„ich


