Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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und Grazie. Befähigte Lehrer mußten die heran⸗ wachſende Tochter unterrichten und ihren Geiſt bilden, wie Joſephine ihr Gemüth bildete. Früh an Kummer und Sorgen, an Entbehrung und Noth gewöhnt, hatte das Kind nicht dieſen leichten flatternden Sinn, der ſonſt Mädchen ihres Alters eigen zu ſein pflegt. Sie hatte zu früh die Vergänglichkeit und Nichtigkeit aller irdiſchen Herrrlichkeit einſehen gelernt, um nicht alle dieſe Dinge, auf welche junge Mädchen ſonſt Werth zu legen pflegen, gering zu achten. Sie trachtete nicht danach ſich zu putzen und den eigen⸗ ſinnigen Launen der Mode ihr junges Haupt zu beugen, für ſie gab es ſchon höhere und edlere Freu⸗ den, und nie war Hortenſe ſeliger, als wenn ihre Mutter ſie davon dispenſirte, ſie zu den Geſellſchaften bei Tallien oder Barras zu begleiten, und ihr er⸗ laubte, daheim zu bleiben, um mit ihren Büchern und ihrer Harfe eine beſſere und lohnendere Unter⸗ haltung zu führen, als ſie ſie in den glänzenden Salons zu finden vermochte Früh gereift in der Schule der Erfahrungen und Leiden, hatte das zwölf⸗ jährige Mädchen den Ernſt und die Entſchloſſenheit einer erwachſenen, ſelbſtſtändigen Jungfrau, und doch trugen ihre reinen, edlen Züge noch ganz den Aus⸗ druck der Kindheit, und in ihren großen blauen Augen lag ein ganzer Himmel von Unſchuld und Frieden. Wenn ſie in der Dämmerung mit ihrer Harfe im Arm in der Fenſterniſche ſaß, wenn die letzten Strahlen der Abendſonne ihr liebliches Antlitz be⸗ leuchteten und ihr ſchönes blondes Haar wie mir einer Glorie umgaben, dann glaubte Joſephine eine dieſer Engelsgeſtalten der Unſchuld und Liebe vor ſich zu ſehen, wie ſie die Dichter und die Maler uns verwirklichen. Mit einer Art Andacht lauſchte ſie den Klängen und Melodien, welche Hortenſe ihrer