Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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in ſeiner Kleidertaſche das Packet und den Brief an die Herzogin gefunden.

In dieſem Brief beſchwor der General die Herzo⸗ gin d'Anville, das Packet, welches ſeine Haare und einen Abſchiedsbrief an ſeine Gattin und ſeine Kinder enthalte, ſeiner Gemahlin zu übergeben.*)

Das war das einzige Vermächtniß, welches der General v. Beauharnais ſeiner Joſephine und ihren unglücklichen Kindern hinterlaſſen konnte! Joſe⸗ phine ward von demſelben ſo erſchüttert, daß ſie beim Anblick dieſer geliebten Haare, beim Leſen dieſer letz⸗ ten zärtlichen Abſchiedsworte ihres Gemahls ohn⸗ mächtig zuſammenſank, während ein Strom von Blut aus ihrem Munde hervorquoll.

Die Gefährtinnen ihrer Leiden bemühten ſich zärt⸗ lich um ſie und verlangten vor allen Dingen von dem Gefangenwärter, daß er eilig einen Arzt rufe.

Wozu einen Arzt? ſagte der Mann gleichgültig. Der Tod iſt der beſte Arzt. Er hat heute den Ge⸗ neral gerufen, in einigen Tagen wird er ihm die Generalin zuführen.

Faſt wäre ſeine Prophezeiung Wahrheit geworden. Joſephine, kaum von ihrer Krankheit geneſen, erhielt vom Schreckens⸗Tribunal ihre Anklage⸗Acte; das war das Vorzeichen ihres ſichern Todes, und ſie bereitete ſich mit entſchloſſenem Muthe, nur ſchmerzvoll ihrer verlaſſenen Kinder gedenkend, zu dem letzten, ſchwe⸗ ren Gange vor.

Ein unvorhergeſehenes, glückliches Ereigniß rettete ihr das Leben. Die Männer der Schreckensgewalt waren jetzt auf dem Gipfel ihrer Macht angelangt, und da es für ſie keinen Stillſtand gab, mußten auch ſie in den Abgrund verſinken, den ſie ſelber gegraben.

*) Ebendaſelbſt S. 285.