Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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ſie zitterte nicht für ſich, ſie dachte nur an ihre Kin⸗ der, an ihren Gemahl, ſie ſchrieb dem Erſteren zärt⸗ liche Briefe, welche man durch reichliche Beſtechung der Gefangenwärter zu befördern wußte, aber alle ihre Bemühungen, ſich mit ihrem Gemahl in Verbindung zu ſetzen, waren vergeblich. Da erhielt ſie eines Tages die Schreckensnachricht, daß ihr Gemahl in dieſer Stunde vor das Revolutions⸗Tribunal geführt worden. In herzklopfender Angſt wartet Joſephine Stunde für Stunde auf irgend eine Nachricht. Hatte dieſes Tribunal ihren Gemahl begnadigt, oder hatte es ihn zum Tode verurtheilt? War er ſchon frei, oder war er ſchon frei in einem höheren Sinne, war er todt? Wenn er frei war, würde er Mittel und Wege gefunden haben, ihr Kunde davon zu geben, aber wenn er ſchon hingerichtet worden, müßte ſein Name doch auf der Liſte der Verurtheilten ſtehen! Unter dieſen Qualen war Joſephinen der lange und ſchreckensvolle Tag vergangen, die Nacht brach herein. Sie vermochte nicht zu ſchlafen, und mit ihr wachten die Leidensgenoſſinnen, die Gefährtinnen der Qual, mit denen ſie das Gefängniß theilte, und die gleich ihr dem Tode entgegenſahen.

Es war eine glänzende auserleſene Geſellſchaft, welche ſich da in dem Gefängniß vereinigt fand. Da war die Herzogin Wittwe v. Choiſeul, die Vicom⸗ teſſe v. Maille, der man eben erſt ihren ſiebenzehn⸗ jährigen Sohn guillotinirt hatte, da war die Mar⸗ quiſe v. Créqui, die geiſtreiche pikante Frau, welche man oft die letzte Marquiſe des ancien régime ge⸗ nannt hat, und welche in ihren geiſtvollen Memoiren die franzöſiſche Geſchichte des achtzehnten Jahrhunderts vom ariſtokratiſchen Standpunkt aus geſchrieben hat. Da war der Abbé Toxier, der, als ihm die Schrek⸗ kensmänner mit der Laterne gedroht, weil er ſich ge⸗