Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Aber man mußte vorſichtig und klug zu Werke gehen, um nicht den Groll und Haß derjenigen zu erregen, die, aus der unterſten Hefe des Volkes her⸗ vorgeſtiegen, jetzt die gebietenden Herren von Frank⸗ reich waren, die ſich aus dem Blute der Ariſtokraten den Purpurmantel ihrer eigenen Majeſtät zu zaubern vermeinten. Ein unvorſichtiges Wort, eine Miene, konnte genügen, um dieſe gute Madame Holſtein, die muthvolle Retterin der beiden Kinder, zu verdächtigen und der Guillotine zu überliefern. Es war ohnehin ſchon ein Verbrechen, daß ſie die Kinder der Angeklagten zu ſich genommen und man mußte daher Alles thun, um den Verdacht der Machthaber zu beſchwichtigen. Hortenſe mußte mit ihrer Beſchützerin den Feſten und patriotiſchen Prozeſſionen beiwohnen, die ſich bei jeder Decade zu Chren der einen und untheilbaren Re⸗ publik erneuerten, aber niemals ward es ihr auferlegt, in dieſen Prozeſſionen eine handelnde Rolle zu ſpielen, man fand ſie nicht würdig, unter den Töchtern des Volkes zu figuriren, man hatte es ihr noch immer nicht verziehen, daß ſie die Tochter eines Vicomte, eines eingekerkertenCidevant war. Eugoene ward bei einem Zimmermann in die Lehre gegeben und oft ſah man den Sohn des Vicomte Beauharnais jetzt in einer Blouſe, ein Brett auf der Schulter oder eine Säge unter dem Arm tragend, durch die Straßen dahinſchreiten.

Während ſo die Kinder der beiden Angeklagten einer augenblicklichen Ruhe und Sicherheit genoſſen, verfinſterte ſich die Zukunft ihrer Eltern mehr und mehr, und nicht blos das Leben des Generals, ſon⸗ dern auch das ſeiner Gemahlin war jetzt ernſtlich be⸗ droht. Joſephine war von St. Pelagie in das Ge⸗ fängniß der Carmeliter gebracht worden; damit war ſie dem Blutgerüſt einen Schritt näher getreten. Aber