ſie wie ihre Mutter, die Kaiſerin Joſephine, von ſich ſagen:„Ich habe viel geweint, aber ich habe niemals Andere weinen gemacht.“
Hortenſia war die Tochter des Vicomte von Beau⸗ harnais, der ſich wider den Willen ſeiner Angehöri⸗ gen mit der ſchönen Joſephine Taſcher de la Pagerie, einer jungen Creolin aus Martinique, vermählt hatte. Dieſe Ehe, welche nur die Liebe geſchloſſen, ſchien indeß keine glückliche werden zu ſollen. Da beide jung, beide unerfahren, leidenſchaftlich und eiferſüchtig, fehlte ees ihnen beiden an Kraft und Energie, die wilden Wogen ihres Temperamentes in die kühle und ſtille Bahn einer ruhigen Ehe einzulenken. Der Vicomte war zu jung, um ſeiner Joſephine nicht blos ein Liebhaber und zärtlicher Gatte, ſondern auch ein rathender Freund, ein warnender Lehrer in der ſchwe⸗ ren Kunſt des Lebens ſein zu können, und Joſephine war zu unſchuldig, zu unerfahren, zu lebensluſtig, um alles Das vermeiden zu können, was der auflauern⸗ den und feindlichen Familie ihres Gemahls Veran⸗ laſſung zu üblen Vermuthungen geben konnte, die ſie dem Vicomte als grauſame Gewißheiten ins Ohr flüſterten. Es war daher begreiflich, daß dieſe Ehe bald von heftigen Stürmen und Schmerzen getrübt ward. Joſephine war zu ſchön und liebenswürdig, um nicht überall Aufmerkſamkeit und Bewunderung zu erregen, und ſie war noch nicht blaſirt und erfah⸗ rungsreich genug, um ſich dieſer Bewunderung und Anbetung nicht zu freuen, oder nicht das Ihrige zu thun, um ſie hervorzurufen. Aber weil ſie naiv war und unſchuldigen Herzens, verlangte ſie von dem Gemahl, daß dieſe kleinen äußeren Coquetterien ihn nicht beunruhigen und mißtrauiſch machen ſollten, daß


