Streitigkeiten der beiden Marquiſen, wenn er ihn fragte, welcher von Beiden er Recht geben ſolle gegen die Andere, dann ſagte La Chaiſe achſelzuckend: Die Eine vertritt das Recht der Tugend, die Andere die Macht der Schönheit! Die Tugend iſt aber voll ewiger Schönheit, und wer ihr anhängt, der iſt des Segens Gottes gewiß!
Aber die Montespan iſt die Mutter meiner Kinder! rief der König.
Das heißt, ſie hat ſie geboren! ſagte La Chaiſe. Aber die Maintenon erzieht ſie! Sie iſt ihre geiſtige Mutter, und dies iſt ein ſchwierigeres und wichtigeres Geſchäft, als ſie zur Welt zu bringen!
Aber die Marquiſe Montespan, geängſtiget von dieſer Macht, welche die Marquiſe Maintenon täglich mehr und mehr über das Gemüth des Königs gewann, griff in ihrer Verzweiflung nach einem neuen Mittel, durch welches ſie den König an ſich zu feſſeln ſuchte. Sie machte kein Geheimniß mehr aus ihrer Verbin⸗ dung mit dem König, ſie bekannte ſich laut und öffent⸗ lich als die Mutter jener drei Kinder, als deren Gou⸗ vernante noch immer die Marquiſe Maintenon galt, ſie umgab ſich mit dem Prunk einer Königin, und


