Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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ſerm Hofe ſo rein und unſchuldig zu bleiben, daß ſie noch niemals geliebt, und noch niemals einen Liebes⸗ brief geſchrieben hat?

Sire, es iſt eine Frau, welche Ihr haßt, weil ſie eine Gelehrte iſt! Ich meine die Gouvernante unſer Kinder, die Witwe Frangoiſe Scarron!

Die Witwe Scarron! rief Ludwig erſtaunt. Nun bei Gott, dies ſcheint ein bewunderungswürdiges Weib zu ſein! Ich ſah ſie am Morgen meine kranken Kinder pflegen mit der erbarmenden Zärtlichkeit einer Heiligen, und dieſen Abend ſchreibt ſie Liebesbriefe mit der Weisheit und Gluth einer Aspaſta! Ah, ich that dieſer Frau Unrecht, wenn ich ſie eine Gelehrte nannte, und ich werde ſie um ihre Verzeihung zu bitten haben!

Und der König näherte ſich der Thür, um, ſeiner großmüthigen Wallung nachgebend, zur Witwe Scar⸗ ron zu gehen. 4

Athenais von Montespan hielt ihn zurück.

Sire, ſagte ſie, in ſo ſpäter Abendſtunde noch wollt Ihr zu dieſer Frau gehen? Oh, mein Gott, es iſt alſo Ihr Ernſt, Sie wollen mich tödten?

Und in Thränen ausbrechend, warf ſie ſich vor ihrem Geliebten nieder, und erhob ihr ſchönes Antlitz zu ihm