— 56— Die Welt iſt ſchön, flüſterte Anſelmo, die Welt winkt uns zur Liebe und Freude!
Ich drückte ihm die Hand, zum erſten Male verab⸗ ſcheuete ich ihn nicht!-
Und ich, ich war alſo endlich befreit, und ich ſtürzte mich hinein in dieſe Welt mit dem Vertrauen und der Glückſeligkeit eines Kindes! Alle meine wilden Träume, meine glühenden Phantaſieen waren vergeſſen, ich war wieder ein junges, unſchuldiges Mädchen, das jedem Tage, jeder Stunde entgegenlächelte, und mit ganzer Seele der Freude des Augenblicks ſich hingab. Aber bald kamen die Schmerzen, bald ließ man mich an den Roſen, welche ich um meine Stirne wand, die verwundenden Stacheln fühlen! Anſelmo's Liebe ſchien verſtummt, er war nur noch mein Freund, mein Ver⸗ trauter, mein Beichtvuter. Ich hatte kein Geheimniß
vpor ihm, ich legte meine Seele, mein Herz offen vor 1 1 ihm dar, und Tag für Tag, Stunde für Stunde träu⸗ 2 felte er einen Giſttropfen der Erkenntniß hinein, Tag für Tag zerpflückte er eine dieſer köſtlichen Blüthen
meiner Illuſionen, und zeigte mir die Wahrheit und Wirklichkeit. Ich wollte die Welt in goldenem Glanze der Schönheit ſehen, und Stunde um Stunde zog


