28— Bündniß geſchloſſen, und daß dieſes Weltkind täglich mehrere Stunden in's Kloſter kam zur Nonne Natalie. Freilich, die Frau Priorin hätte dieſen Umgang unter⸗ ſagen können, aber ſichkannte die Befehle des Herrn Erzbiſchofs, und der Prieſter Anſelmo wachte über deren pünktlicher Befolgung. Anſelmo war es, der Nataliens Freundſchaft zu mir beſchützte, der uns be⸗ hütete vor dem Neide der Nonnen, und vor dem Miß⸗ muth der Frau Priorin. Oft ſahen wir ihn von ferne uns folgen, wenn wir die langen düſtern Alleen hinab⸗ ſchritten, oft, an einer Biegung des Weges, ſtand er plötzlich vor uns, und ſein düſter flammendes Auge wandte ſich dann mit dem Ausdruck unausſprechlichen Flehens auf Natalie. Sie aber ging ſtumm und ohne Gruß an ihm vorüber, oder ſie ſagte mit kaltem, ge⸗ bieteriſchem Ton: gehe fort!
Stumm und mit ſchmerzlichem Seufzen, aber ohne eine Klage ſehlich ſich dann Anſelmo fort, um wieder in der Ferne beſchützend uns zu folgen!
Du biſt ſehr hart gegen Anſelmo, ſagte ich einſt zu Natalie, als ſte, mit härteren Worten, als ſonſt, ihn fortgewieſen.
Sie legte die Stirne in Falten, und ſah mich faſt


