blicke, meine ich, den Todesſeufzer zu hören, mit wel⸗
chem Du es fallen ſahſt von Deinem Haupte. Niemand liebte ſie in dieſem Kloſter, die Nonnen
fürchteten ihren kalten, ironiſchen Blick, ihr verächtliches
Schweigen, die Schaffnerinnen und Hausverwalterinnen erbebten, wenn Nataliens beobachtendes Auge ſie traf, 1
denn Natalie war die Kaſſenverwalterin des Kloſters und ſie ließ durch keine noch ſo künſtlich zuſammen⸗ geſetzte Rechnung ſich hintergehen. Der Beichtvater ging mit ſcheuem Augenniederſchlag an ihr vorüber, irgend eine Verwünſchung murmelnd, oder einen heim⸗
lichen Fluch. Natalie gehörte nicht zu ſeinen Beicht⸗
kindern, durch hohe Vermittelung hatte ſie vom Papfte Dispenz bekommen, der ſie von der Beichte befreite und von dem Zwange des Ohrenbekenntniſſes. Nie⸗ mand liebte Natalie in dieſem Kloſter, ſelbſt die Kran⸗ ken im Hospiz, denen ſie die Arzeneien bereitete, und mit kunſtgerechter Hand die Wunden verband, ſelbſt dieſe Kranken hatten nur Furcht vor ihr, und ſie un⸗ terdrückten ihre Klagen und ihr ſchmerzliches Seußzen, wenn Natalie ſich ihrem Lager nahte. Und doch un⸗ terzog ſich Natalie immer den ſchwerſten Pflichten, den härteſten Dienſtleiſtungen, doch war ſie es, die mit


