Jahrgang 
2
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Es iſt nicht wahr! ſchrie ein alter Bedienter. Der König iſt nicht krank! Laßt uns unſeren König befreien!

Im Augenblick erhielt er von einem Major einen Schlag ins Geſicht, daß er zu Boden ſtürzte. Ein halbes Dutzend Offiziere pack⸗ ten den Gefangenen bei den Armen und Beinen und trugen ihn ins Schloß, während er fortgeſetzt um Rettung ſchrie.

Es war ein entſetzlicher Anblick. Das Blut lief über das blaſſe entſtellte Geſicht des Königs, ſeine Augen rollten in Todesangſt, er ſah wie ein Wahnſinniger aus. Voll Grauen vor dieſem Anblick zog ſich Otho zurück. Als er aufſchaute, erkannte er an einem der gegen⸗ überliegenden Schloßfenſter den Herzog von Südermannland, der ſeine gefalteten Hände zum Himmel erhob und in einem ſchrecklichen Seelen⸗ zuſtande zu ſein ſchien. Mehrere andere Perſonen waren um ihn be⸗ ſchäftigt und ſuchten ihn wahrſcheinlich zu tröſten. Otho bemerkte den Staatsſecretär Lagerbring, der den Herzog vom Fenſter fortführte. Auch er entfernte ſich und folgte dem Getöſe, das aus dem Innern des Schloſſes kann.

Man hatte den König in einen der prächtigſten Säle des Schloſ⸗ ſes, den weißen Saal getragen, und ihn dort auf ein Ruhebett ge⸗ legt. Eine große Zahl Offiziere, zum Theil junge Lieutenants und Fähn⸗ riche, umringten ihn. Adlercreutz kam in Begleitung des Oberſten Silverſparre Otho Waimon entgegen, als dieſer die Thüre des Saa⸗ les erreichte. Der General hatte ſeine Heiterkeit wieder bekommen, man ſah ihm die Siegesfreudigkeit an. Gut, daß ich Sie treffe, ſagte er. Bleiben Sie hier, ich muß zum Herzog. Unſer Spiel iſt gewonnen; aber auf keinen Fall laſſen Sie den König noch einmal entfliehen.

Dafür werden dieſe Wächter ſorgen, fiel der Hofmarſchall ein. Schnell, Adlercreutz, jede Minute iſt koſtbar.

Die beiden Führer der Palaſtrevolution entfernten ſich und mit düſterer Stirn und gekreuzten Armen blieb Otho an der Thür ſtehen und betrachtete das furchtbare Schauſpiel, deſſen Zeuge er war.

Alle Hoheit, aller Glanz der Majeſtät war von dem unglücklichen Fürſten abgefallen, eine einzige Stunde hatte ſie zerſtört. Er, dem bisher kein Sterblicher ohne Scheu und Ehrfurcht nahte, der nur unterthänige Diener duldete, vor dem die Mächtigſten ſich beugten,