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Könnte ich nicht auch hier mein Feld beſtellen, meine Netze werfen, mein Boot lenken und in meiner Hütte in Frieden ſchlafen? ſagte Otho mit dem Ausdruck der Unzufriedenheit mit ſich und ſeinem Looſe. 3
Das könnten Sie, wenn Sie dazu geboren wären, verſetzte der Greis ſanftmüthig; da dies aber nicht der Fall iſt, würden Sie weit mehr noch mit dem Willen Gottes hadern, als Sie es jetzt ſchon thun. Ein ſo ſtolzer, von dem Ehrgeiz und dem Drange nach dem wechſel⸗ vollen Glück dieſer Welt beherrſchter Mann, wie Sie, mein junger Freund, fügte er dann lächelnd hinzu, kann nicht in dem Frieden einer Hütte gedeihen. Er muß hinaus in das Getümmel des Lebens, muß nach deſſen Schätzen ringen, mit deſſen Leiden und Freuden kämpfen. Schon nach wenigen Wochen ſehnen Sie ſich fort von hier, und wie bald werden Sie den alten, müden Pfarrer vergeſſen haben.
Glauben Sie, daß ich das jemals könnte? fragte Otho, ſeine Augen aufhebend und ſeine Hände ausſtreckend.
Nein, mein Kind, nein! antwortete Jönsſon mit Innigkeit. Sie werden mich nicht vergeſſen, ſo wenig, wie ich ſelbſt dies vermöchte. Vielleicht ſogar werden Tage kommen, wo dieſe arme Hütte Ihre Sehnſucht erregen wird.
O! das wird ſie, rief Otho aus. Denn ich fühle es ſchon jetzt. Zuweilen iſt mir ſo heimiſch hier, als könnte ich immer bleiben, oder als hätte meine Mutter mir eine wunderbare Geſchichte von ihr und
dem ehrwürdigen Greis erzählt, der darin wohnt und den auch ſie ge⸗
liebt hat.
Vielleicht, antwortete Jönsſon ſanftmüthig lächelnd, hat wirklich ſchon eine Stimme zu Ihnen von dem armen alten Gottesdiener ge⸗ ſprochen.
In meinen Träumen vielleicht, wenn dieſe mir das patriarchaliſche Glück eines guten Menſchen malten, deſſen ganzes Weſen Liebe und Frieden iſt, ſagte Otho.
Vor wenigen Monaten, fuhr der Greis fort, ſaß an derſelben
Stelle, auf demſelben Stuhle, auf dem Sie jetzt ſitzen, eine junge edle Dame, die, ſo ſtolz und hochgeartet ſie war, dennoch ein warmes gütiges Herz beſaß, das mir viele Theilnahme ſchenkte. Sie kam mit
ihre


