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Liebe, welche ihm gezollt wurde, ſo ſehr verdiente. Immer bereit,
immer opferfreudig und ſich ſelbſt vergeſſend, war ſein ganzes Daſein
dem Wohlthun gewidmet, und wie Otho ſelbſt ihm ſein Leben dankte, ſo fand er bald, daß es kaum Einen unter allen ſeinen Nachbarn gab, der ihm viel weniger ſchuldete. Als die Kanäle zwiſchen den Inſeln zufroren, kamen von vielen der felſigen Landſtückchen in der wilden See Männer und Frauen, um bei ihrem unermüdlichem Freund Rath und Hilfe zu holen. Bald waren es Krankheiten, in denen er Bei⸗ ſtand leiſten ſollte, bald waren es häusliche Sorgen, Zwiſtigkeiten in den Familien oder die bittre Noth des Lebens. In dem ſchlechten kalten Sommer waren Buchweizen, Hafer und Gerſte, die gewöhnlichen Nahrungsmittel, nicht zum beſten gerathen und damals war der Kar⸗ toffelanbau noch überall gering. Doch Keiner ging ungetröſtet und hilflos von des guten Pfarrers Thür. Er theilte aus und brach ſein Brod mit Allen, die hungrig kamen, und als ſeine Vorräthe zu Ende gingen, als Karin gar zu ſehr ſchalt und die Reſte feſthielt, da gab Otho einige Goldſtücke aus ſeinem geretteten Beutel und Jönsſon hielt eine Verſammlung in der Kirche und bewog Manchen dort, etwas von ſeinem Winterbedarf herzugeben, kaufte von Anderen für Otho's Geld ein und fürchtete nicht Eis, nicht grimmige Kälte, um die Hungern⸗ den zu ſpeiſen und die Darbenden zu erquicken.
Seit dieſer Zeit war das Verhältniß des Jünglings zu ſeinem alten Pfleger noch inniger geworden. Dieſer hatte den Fremoling lieb gewonnen, als gehöre er zu ihm. Er empfand Freude bei ſeinem An⸗ blick, Freude über den edlen Geiſt, der aus ihm ſprach, Freude noch mehr über die Herzensgüte, welche, trotz aller ſtolzen und heftigen Worte, aus ſeinen Handlungen leuchtete. Otho hatte ihm mitgetheilt, daß er ein Finne ſei, ihm auch ſeinen Namen genannt und ihm einige allge⸗ meine Kenntniß über ſich gegeben; allein, da er den Pfarrer, in Be⸗
treff ſeines Offizierranges, bei deſſen Annahme ließ, und über die Ge⸗ heimniſſe ſeiner Sendung ihm nichts offenbarte, ſo blieben ſeine Mit⸗ theilungen doch immer lückenhaft und wurden abſichtlich von ihm ſo
viel als möglich vermieden. Jönsſon bemerkte recht gut, in welche
Unruhe ſein Gaſt gerieth, ſobald eine Frage deſſen Vergangenheit be⸗ rührte. Er ſah deutlich, daß Otho nicht darüber ſprechen wollte, daß


