— 87—
ſich nicht zu Klagen, wie ſie bei Harald oftmals gehört wurden. Und doch litt er am Meiſten. Die unheimliche nordiſche Nacht und ihre hoffnungsloſe Lage auf der Scholle, die ſie willenlos weiterſchleppte, machte auf ihn den bedeutſamſten Eindruck.
„Die Nacht iſt keines Menſchen Freund“, ſagen wir und denken dabei vielleicht an einen nicht ganz gefahrloſen Gang durch einen finſteren Wald oder an einen ſchlechten Weg, wo man ſtolpern und ſtürzen kann, oder an eine einſame Lage des Hauſes, die eher vielleicht einem Raub⸗ anfall ausgeſetzt iſt, oder wir denken an Feuer, Sturm und Waſſernoth. Aber ſind nicht alle dieſe Gefahren meiſtens nur in unſerer Einbildung vorhanden? Und wie kurz ſind die Nächte, ſelbſt die längſten December⸗ und Januarnächte. Wird es auch oft acht Uhr Morgens, bis die Morgenröthe die Spitze des Schneehügels in roſigen Schein hüllt und die erſten Strahlen der Sonne durch die Eisblumen am Fenſter in das ſchon behaglich erwärmte Zimmer blitzen, die Sonne bleibt doch nicht aus, ſie kommt doch und iſt uns ein leuchtendes Zeugniß von der Güte Gottes, die alle Morgen neu iſt.
Wie anders iſt es aber da, wo Anfangs November die Sonne um die Mittagszeit zum letzten Mal erſcheint und mit mattem Strahl den Schnee⸗Eisbergen einen kalten Abſchiedskuß zuwirft, um nach Monaten im Februar erſt wieder einen blinkenden Blick auf die gräßliche Eiser⸗ ſtarrung, die ſich während ihrer Abweſenheit gebildet hat,


