— 8—
eigenthümliche Stille über dem Thale, trotz der Nähe der menſchlichen Wohnungen. Der Norden hat überhaupt etwas Stilles und Starres, und es beſchleicht das Gemüth des Menſchen leicht ein banges, ungewohntes Einſamkeits⸗ gefühl. Indeſſen war es diesmal hier die Stille der Nacht.
Denn es war Nacht in Grönland, wenn auch die Sonne noch ſchien. Jedoch verlor dieſelbe allmählig ihren Glanz.
Die Mitternachtsſtunde nahete.
Die Sonne glich in dieſem Augenblicke nur noch einem feuerrothen Balle, der nahe am Horizonte hinſchwebte und ohne Strahl Berge und Meer und die ihn umgebenden Wölkchen in prachtvolle Purpurgluth tauchte. Das währte eine kleine Weile. Dann wurde nach und nach der rothe Ball wieder feuriger und ſandte wieder ſeine hellleuchtenden warmen Strahlen der Erde zu.
Zugleich mit dieſen erſten Strahlen begann auch das Leben in der Natur. Ganze Schaaren von Möven ſchweiften über das Meer hin, mit ihrem häßlichen Ge⸗ krächze ehi, hi, hä hä die Luft erfüllend, während zahl⸗ reiche Schneeammern ihr einfaches Morgenlied zu trillern ſuchten.
Stunden vergingen. Die Sonne ſtieg immer höher. Noch hatte ſich kein Leben in den Wohnhäuſern gezeigt. Da erſchallte von einem Felsvorſprunge, der weit in das Meer hineinging, dreimal ein lauter an den Bergen wieder⸗ hallender, menſchlicher Ruf. Es war das Signal eines
—


