Teil eines Werkes 
2. Band, 10.-20. Gesang (1820)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

534 An Caäaͤcilie.

6.

Denn weil ich laͤngſt, nicht heimiſch mehr hienieden, 3 Seit deinen Geiſt ein ſchoͤnres Land umfaͤngt, Das heitre Spiel lebend'ger Luſt gemieden, Und nur auf dich den ernſten Blick geſenkt,. Iſt mancher Freund von meinem Pfad geſchieden Und hat mein Herz durch kalten Sinn gekraͤnkt. Ich habe ſtill fuͤr dich dies Weh getragen und ihn geliebt, wie einſt in ſchoͤnern Tagen.

7.

Wie ein Gefaͤß, das Myrrhen einſt verſchloſſen, Auch ſpaͤter noch die fuͤßen Duͤfte hegt; Wie ein Gewoͤlk vom Abendroth umfloſſen Sanftleuchtend noch ſich durch die Daͤmmrung regt; Und wie ein Strom in's ſalz'ge Meer ergoſſen Noch weit hinaus die ſuͤßen Wellen traͤgt: So kann gekraͤnkt, verſtoßen und verlaſſen, Wer dich geliebt, nicht zurnen und nicht haſſen.