Zwanzigſter Geſang.
48.
Und als ſie jetzt die Schlummernden verſenken, Da wird der bluͤh'nde Schmuck von mancher Thraͤne feucht; Und was ein Jeder hat an theuren Angedenken,
Die einſt der Freund, die Braut dem Scheidenden gereicht, Das will er jetzt der Gruft zum frommen Zeugniß ſchenken, Daß vor der himmliſchen die ird'ſche Liebe weicht.
Hold ſieht man jetzt mit Baͤndern und mit Spangen, Mit Gold und Edelſtein das gruͤne Lager prangen.
49.
Doch als das Grab ſich fuͤllt, wetteifert jede Hand, Den gruͤnen Huͤgel aufzufuͤhren; Dann wird der Roſenſtrauch, der nah am Kreuze dand⸗ Vom Kaiſer drauf gepflanzt, das heil'ge Grab zu zieren. Jetzt iſt der Todesfluch von ſeinem Kelch gebannt; Wer reines Herzens iſt, darf ihn getroſt beruͤhren; Nur wer ein feil Gemuth im falſchen Buſen traͤgt, Dem wird ſein Strahl ein Blitz, womit der Herr ihn ſchlaͤgt.


