Teil eines Werkes 
2. Band, 10.-20. Gesang (1820)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26.

Die Schoͤne, die ſo reich ihr heil'ges Haupt geſchmuͤckt, Wohl glich ſie jetzt dem kurzen Bluͤthenleben, Aus deſſen duft'gem Kelch, bis ihn der Sturm gepfluͤckt, Die ſuͤße Liebe trank mit holdgetaͤuſchtem Schweben. Doch keine Feſſel haͤlt den freien Gaſt umſtrickt, Nicht ward das ird'ſche Haus zur Heimath ihm gegeben; Wenn auch der holde Thron, worauf er ruhte, ſinkt, Ihm bleibt das Fluͤgelpaar, das ihn dem Staub' entſchwingt.

27.

Was zagt das Herz in Leid und bittern Thraͤnen, Wenn ihm den ſel'gen Lohn die zarte Minn entzieht? Was welkt es fruͤh dahin im hoffnungsloſen Sehnen, Wenn in der Knospe ſchon ſein ſuͤßes Gluͤck verbluͤht? Kann nicht die Liebe ſtets ihr eignes Leid verſoͤhnen, und flieht die Liebe denn, wenn die Geliebte flieht? Wer nie geliebt, nur der mag ſich betruͤben,

Wer liebt, hat Liebesgluͤck, auch ungeliebt, im Lieben⸗