Zehnter Geſang.
8.
Du wehſt ſo ſanft mit deinen hohen Zweigen, Du dunkler Hain, als wolle mir dein Wink, Dein Saͤuſeln mir die holde Stelle zeigen, Wo kühlend juͤngſt dein Schatten ſie umfieng. O Quell, wie plaͤtſcherſt du ſo freundlich von den Höͤhen, Als ſage mir dein lieblich heller Laut: Dort iſt der Pfad, dort ſuche deine Braut! Weh mir, es iſt umſonſt! ich kann euch nicht verſtehen.
9⸗·
Doch wenn auch dunkler noch die Nacht herniederſchwebt, So faͤhrt er raſcher fort und draͤngt die feigen Schmerzen In ſeine Bruſt zuruͤck, wenn auch die Erde bebt,
Und ſich vom Sturmgewoͤlk die bleichen Sterne ſchwaͤrzen. Dir folg' ich ſtets, ſo lang noch Muth im Herzen,
So lang noch Kraft in dieſen Gliedern lebt;
Und erſt wenn jeden Dienſt mir Leib und Geiſt verſagen, Erſt dann will ich an mir und auch an dir verzagen!


