Druckschrift 
E. Chr. v. Kleist's Gedichte
Entstehung
Einzelbild herunterladen

121

Ein Macedonier aufrichtete,

Der mit dem Ciſſides darunter lag.

Was liegſt du bei dem Todten? fragt man ihn.

Er war mein Herr, erwiedert er; noch mehr,

Mein Vater. Ich war, als er lebt', ihm treu:

Sollt' ich vergeſſen, es anjetzt zu ſeyn? Ihr habt mir ihn geraubt, raubt mir nun auch Das Leben, meine Laſt! Ein Thraͤnen⸗ guß

Netzt ihm das Angeſicht. Leoſthenes

Raubt' ihm das Leben nicht, dem redlichen

Schildtraͤger, ſondern pries die ſeltne Treu,

Und troͤſtete den immer Jammernden.

Und ſchenkt' ihm viel. Betrachtete nachher,

Sammt dem geruͤhrten Volk, den Ciſſides,

Und glaubte die entwichne Seele noch

In großen Zuͤgen des Geſichts zu ſehn;

Beweint' ihn, ließ die Aſche beider Freund'

In einer Urn' bewahren, ihnen auch

Ein praͤchtig Denkmal baun; und zog ſich drauf

Schnell nach Athen zuruͤck. Sein Heer war ſo

Geſchwaͤcht, daß er vergaß, in einer Schlacht

Antipatern zu uͤberwaͤltigen.