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E. Chr. v. Kleist's Gedichte
Entstehung
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Hoffnungen auf Liebe und kriegeriſchen Ruhm nagten an ſeinem Herzen, und als er nun An⸗

fang des Jahres 1746 wieder in Potsdar

eingeruͤckt war, fand er ſeinen Gleim, ſein anderes Ich wie man das hier wohl ſprechen darf im Begriff, einen Wirkungs⸗ kreis zu betreten, der ihn auf immer aus der dortigen Gegend entfernte.

Jeder Beruf hienieden hat ſeine Leider Warum ſollte die Welt nicht dergleichen uͤber die freilich wohl ſehr verletzbaren Juͤn⸗ ger der Muſe verhaͤngen?

Auch uͤber Kleiſt kam ſo ein ſchwerer Anflug von Taſſo'ſchem Leid. Nicht ge⸗ nug, daß er die Geliebte auf immer fuͤr ſich verloren ſah, die Leute fingen auch an, ihn fuͤr ein bischen wahnſinnig zu halten. Ein Regiments⸗Feldſcher mochte den Gedan⸗ ken zuerſt ausgeſprochen haben, als Kleiſt, dem man verſicherte, er habe zu dickes Blut, die Sache auf Treu und Glauben annahm, und ſich unter dem Vorwand eines andern Uebelbefindens eine Zeitlang zu Hauſe hielt⸗ um eine Blutreinigung zu gebrauchen. Der Argloſe ahnete nichts von dem circulirenden Geruͤcht, bis ſeine Vorgeſetzten in der beſten Abſicht zu ihm ſchickten, ihm ihr Bedauern vermelden laſſend, mit der Verſicherung, er brauche ſich weiter nicht zu graͤmen, denn er ſei dem Koͤnige als ein braver Offizier em⸗