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E. Chr. v. Kleist's Gedichte
Entstehung
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Die ſeltſame Laune dieſer Worte man moͤche ſie ſchauerlich nennen, beinahe ſchreck⸗ lich erwies ihre Gewalt auf eine wunder⸗ bare Weiſe an Kleiſt. Er brach in ein lau⸗ tes Lachen aus, vorzuͤglich uͤber den Schluß⸗ und dadurch ſprang ſeine Wunde auf, und eine heftige Verblutung erfolgte. Der her⸗ beigerufene Wundarzt aber erklaͤrte, dieſer Blutverluſt werde wohlthaͤtige Folgen nach ſich ziehen, und dem Verwundeten vielen Schmerz erſparen. Der bald nachher voͤllig wieder hergeſtellte Kleiſt ſprach zu Gleim: Der Dichtkunſt und Ihnen verdanke ich meine Geneſung. Und nun erbluͤhte un⸗ ter Gleim's anmuthiger Pflege die fruͤher kaum nur halbbewußte poetiſche Gabe in der Seele des Juͤnglings nach und nach zu der Fuͤlle und Anmuth, in der ſie noch jetzt den Garten der Dichtkunſt ſchmuͤckt.

Der zweifach neubelebte Juͤngling ließ nun manch froͤhliches Lied ertoͤnen, ohne je⸗ doch fuͤr deſſen Aufbewahrung Sorge zu tra⸗ gen, obgleich von nun an bei Kleiſt's s poeti⸗ ſchen Verſuchen, und beſonders bei den Vor⸗ ſtudien dazu, es nie an dem edeln Ernſt und der angeſtrengten Tuͤchtigkeit fehlte, die ihn in ſeinem aͤußern Berufe auszeichneten.