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lich das zarte Geſchlecht vertheidigend, ge⸗ rieth er in einen Zweikampf, der ihm eine tuͤchtige Ehrenwunde in den Arm zu Wege brachte.
Daß edle Frauen und Jungfrauen mit Theilnahme von dem Vertheidiger der guten Sache redeten, war natuͤrlich. Auf dieſe an⸗ muthige Weiſe erfuhr der damals in Pots⸗ dam lebende Gleim von dem Hergange, und beeilte ſich, den verwundeten Kaͤmpfer auf⸗ zuſuchen. Er fand ihn matt auf dem Bette liegen, vor ſich aufgeſchlagen den Caesar de bello Gallico. Aber das war eine faſt tan⸗ taliſche Anſtalt; denn die Wundaͤrzte hatten ihm das Leſen verboten. So ward denn der freundliche Gleim ſein Vorleſer, wobei es nicht bei Caͤſar's galliſchem Kriege blieb, ſon⸗ dern man ſich bald in das froͤhliche Reich der Poeſie hinuͤberſpielte.
Unter andern las einmal Gleim das fol⸗ gende ſeiner anakreontiſchen Liedchen:
„Tod, kannſt du dich auf verlieben? Warum holſt du denn Wuehe Maͤdchen? Hole l'eber ihre Mutter! Ihre Mutter ſieht dir aͤhnlich: Friſche, roſenrothe Wangen, Schoͤngefaͤrbt von meinem Kuſſe, Bluͤhen nicht fuͤr blaſſe Knochen! od, was wiliſt du mit dem Maͤdchen? it den Zaͤhnen ohne Lippen Kannſt du es ja doch nicht kuͤſſen!“


