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Dichter auch, liebte er mehr zu bewirthen, als bewirthet zu werden, und war dabei kein beſonderlicher Rechenmeiſter fuͤr ſeine Ein⸗ nahmen und Ausgaben. Das Guͤtlein Ru⸗ ſchitz ſendete nur ſchmalen Zuſchuß, und ſo ſah ſich denn der Juͤngling nach und nach in kleine Schulden verſtrickt, die ihn bisweilen in Verlegenheit ſetzten, obgleich ſeine weni⸗ gen Glaͤubiger ſich in der Regel ruhig ver⸗ hielten, und er— entweder durch Vorruͤcken im Dienſt oder im Fall ſeines fruͤhern Todes durch das nachbleibende kleine Vermoͤgen— mit Zuverſicht hoffen durfte, alle ſeine Ver⸗ pflichtungen zu erfuͤllen. Es nagte alſo eben kein prometheiſcher Geier an ſeinem Innern.
Erheiternd vielmehr mochte ihn die Aus⸗ ſicht anlaͤcheln, doch vielleicht eher noch das muͤtterliche Ja zur Heimfuͤhrung ſeiner Ge⸗ liebten Wilhelmine nach Potsdam, als nach dem fernen, meergetrennten Kopenhagen zu erbitten, ſobald ihm eine hoͤhere Stellung im Heere die Mittel anweiſe, der Gattin ein anſtaͤndiges aͤußeres Leben zu ſichern.—
In dieſer Stimmung wohl, und uͤber⸗ haupt in ſeinem ganzen edelzarten Gefuͤhle fand ſich eines Tages Kleiſt— es war im Jahre 1743— empfindlich verletzt durch die unzarten Aeußerungen eines rohen Kamera⸗ den uͤber einige Potsdamer Damen. Ritter⸗


