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E. Chr. v. Kleist's Gedichte
Entstehung
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ſtreng ſeine Pflicht, und zeigte ſich im Um⸗ gange liebenswuͤrdig und geiſtvoll. Das war Alles, was damals die Auſſenwelt von ihm wiſſen konnte; oder hoͤchſtens noch mochte ſie Notiz von ſeinem militaͤriſchen Studium nehmen. Als Dichter war er durchaus nicht hervorgetreten kaum vor ſich ſelbſt, und es iſt alſo weder der Welt noch dem großen Koͤnige zu verargen, wenn Kleiſt ihnen eben nur fuͤr das galt, wofuͤr er ſich gab: fuͤr einen unbeſcholtenen Offizier von pommer⸗ ſchem Adel.

Eh' Kleiſt noch in den preußiſchen Dienſt gelangte, war der erſte ſchleſiſche Krieg be⸗ endet. Der taͤgliche Dienſt ging ſeinen ruhi⸗ gen Gang fort, ohne Zweifel durch Kleiſt in Potsdam mit derſelben Tuͤchtigkeit und Gruͤnd⸗ lichkeit behandelt, als fruͤher in Kopenhagen. Aber es miſchte ſich manche Stoͤrung fuͤr ihn mit ein. Die Mehrzahl ſeiner Waf⸗ fenbruͤder, tuͤchtig im Dienſt, anſtaͤndig in der Geſellſchaft, hatte fuͤr das druͤber Hin⸗ ausliegende keinen ſonderlichen Sinn, und war dabei dem Bacchus in ihren vertrauli⸗ chen Zuſammenkunften faſt uͤber die Gebuͤhr ergeben. Wollte Kleiſt mit ihnen leben, ſo mußte er mit ihnen trinken, und weit entfernt von jeder Voͤllerei hatte doch Kleiſt, wie die mehrſten Dichter, ſeine herz⸗ liche Freude am Wein, und wie die mehrſten