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E. Chr. v. Kleist's Gedichte
Entstehung
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N 2G u A

9 Eine Weigerung indeſſen galt natuͤrlich auf keine Weiſe fuͤr ein als ehrſam anerkanntes Commando, und Kleiſt hat es gewiß derge⸗ ſtalt ausgefuͤhrt, daß er den ſchweren Mit⸗ telweg feſthielt zwiſchen Verſaͤumniß empfan⸗ gener Befehle und zwiſchen Beleidigung menſchlichen Gefuͤhls und gegebener Ver⸗ heißungen.

Vermuthlich hatte er um dieſe Zeit ſei⸗ ne Aeltern oder doch mindeſtens ſeinen Va⸗ ter verloren, denn wir finden ihn als Mit⸗ beſitzer eines kleinen Gutes im Stolpeſchen Kreiſe, daran ſein juͤngerer Bruder einen Antheil hatte, ſich aber 1740 durch die Ver⸗ ſicherung eines Kapitals abfinden ließ. Das Doͤrfchen war Ruſche oder Ruſchitz geheißen, und nachdem Kleiſt ſeinen Werbeauftrag raſch vollendet hatte, erhielt er den erbetenen Urlaub dorthin.

Waͤhrend Kleiſt eine verheirathete Schwe⸗ ſter in Polniſch Preußen beſuchte, ſah er zum erſtenmale das Maͤdchen, dem er noch viel der ſuͤßen Wehmuthsklagen ſingen ſollte. Sie hieß Wilhelmine von der Golz, eine gleich ſchoͤne als geiſtvolle und wuͤrdige Er⸗ ſcheinung. Ewalds edle Liebe fand Erwiede⸗ rung, und die Mutter der Geliebten billigte das Verhaͤltniß, ſcheint aber gewuͤnſcht zu haben, daß Kleiſt den Kriegsdienſt verlaſſe, und ſich in polniſchen oder ſaͤchſiſchen Civil⸗