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E. Chr. v. Kleist's Gedichte
Entstehung
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hatte Kleiſt den Umgang mancher andern daͤ⸗ niſchen Kriegsleute lieb gewonnen, und ver⸗

muthlich ſchon die Billigung ſeines Vaters

zu einem etwaigen Schritte dieſer Art mit⸗

gebracht. So trat er denn im ein und zwan⸗

zigſten Jahre ſeines Alters(1736) als Offi⸗

zier in den Dienſt des Koͤnigs von Daͤne⸗

mark.

Unter den Beruſsarbeiten ſeines neuen Standes vergaß Kleiſt ſein poetiſches Stu⸗ dium keinesweges, und richtete es vorzuͤglich auf die altroͤmiſchen Dichter. Aber mit glei⸗ chem Eifer arbeitete er ſich in die Kriegs⸗ wiſſenſchaft hinein, und verabſaͤumte dabei weder Parade noch Exerziren, frei immerdar von der leiſeſten Vernachlaͤſſigung oder Zer⸗ ſtreutheit. Ueberhaupt konnte man auf ſein geſammtes Leben den Satz anwenden: dem wahrhaft großen Menſchen kommt nichts klein vor; oder anders ausge⸗ druͤckt: ein ganzer Mann thut Alles ganz; oder auch in naͤherer Beziehung: fuͤr den echten Poeten gibtesnichts abſolut Unpoetiſches.

Sein pflichtſtrenges Betragen veranlaßte es, daß ihm ſchon zwei Jahre nach ſeinem Eintritt in den Kriegsdienſt ein Werbungs⸗ auftrag in Danzig zu Theil ward. Das mochte wohl das erſtemal ſeyn, daß ſein treues Herz gegen ein Berufsgeſchaͤft anrang.