55⁵
Chumm, weidli chumm, do blibe mer nit lang!
O Frau, wer het di Muetterherz ſo g'chüelt?
Verbarmt's di nit, und goht's der nit dur d'Seel,
wie dins Chindli wie di Fleiſch und Blut
verwildern ohni Pfleg und ohni Zucht,
und hungrig bi den andre Chinde ſtöhn
mit ihre breite Rufe, ſchüch und fremd?
Und Wi' und Caffi ſchmeckt dir doch ſo gut!
Doch lueg im vierte Hus, das Gott erbarm, was hangt am grüene Wienechtchindli⸗Baum? Viel ſtachlich Laub, und näume zwiſche drinn ne ſchrumpfig Oepfeli, ne dürri Nuß!
Sie möcht, und het's nit, nimt ihr Chind uf d'Schoß,
und wärmt's am Buſe, luegts a und briegt;
der Engel ſtüürt im Chindli Thränen 1.
Sel iſch nit gfehlt,'s iſch mehr as Marzipan
und Zuckererbsli. Gott im Himmel ſiehts,
und het us mengem arme Büebli doch
e brave Ma und Vogt und Richter gmacht,
und uſem Töchterli ne bravi Frau,
wenns numme nit an Zucht und Warnig fehlt.


