Teil eines Werkes 
1. Theil (1831)
Entstehung
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9⁰

Welche dich immer umbluͤhn, bring mir die

Grazien mit! Sieh, ſchon nahte die Stunde, worin dein Schweſterchen ehmals

Unſerem Lichte zuerſt heiter entgegen ge⸗.

lacht. Damals war dir der Tag ein Feſt, ſiegkuͤn⸗ dende Lieder Wehten den fruͤheſten Schlaf auf die Ge⸗ borene hin, Schalkheit hauchte dein Kuß ihr in's Herz, phantaſtiſchen Leichtſinn, Taͤndelnden Witz und der ſtets wechſelnden Laune Begier. Doch was du muthwillig ihr gabſt, das ſchmuͤckte die Charis, Und um's Dornengebuͤſch webte ſie Roſen umher. Feire den Tag auch jetzt; denn ſie ward nun groͤßer und holder, In der Geſtalt und im Geiſt gleicht ſie, du Schelmiſcher, dir. Schweb' um's ſeidene Bett mit der lieblichen Schaar; noch ruht ſie, Sanft um den roſigen Mund weht das Ge⸗ lispel des Schlafs. Wehre mit ſchuͤtzender Schwinge den boͤſen

Traͤumen, den Ungluͤck

Kuͤndenden, welche den Schoos fuͤllen der bruͤtenden Nacht;