Teil eines Werkes 
1. Theil (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

mit dem Frieden kehrte ſein Truͤbſinn zuruck. Wer ſeine Verhaͤltniſſe näher kannte, mußte wuͤnſchen, daß er Goͤttingen ſo bald noch nicht wiederſaͤhe. Aber er war nicht zu bewegen, einen andern Ort zu wählen, un eine kuͤnf⸗ tige Beſtimmung abzuwarten. In Goͤttingen wollte er ſeine Caͤcilie vollenden und ſeine phi⸗ loſophiſchen Studien ſo lange fortſetzen, bis er eine Profeſſur erhielte.

Ungern ſah ich meinen jungen Freund wie⸗ der, ſo lieb mir auch ſeine Gegenwart war. Die alten Mißverhaͤltniſſe, in die er wieder gerieth, ſetzten ihn in eine peinliche Spannung. Was er von Geſundheit und Heiterkeit aus dem Feldzuge mitgebracht hatte, ging bald wieder verloren. In ſeiner duͤſtern Stimmung glaubte er verkannt und gering geſchaͤtzt zu werden, mo er Liebe und Vertrauen erwar⸗ tete. Gram und Mißmuth bemaͤchtigten ſich ſeines ganzen Gemuths. Er zog ſich immer mehr von den Geſellſchaften zuruͤck, um unge⸗ ſtoͤrt zu arbeiten und zu dichten. Die öffent⸗ lichen Vorleſungen, die er uͤber alte Autoren zu halten anfing, ſchienen wenig Beifall zu finden, weil ihm das Talent des freien Vor⸗ trags fehlte. Deſto mehr wurde ſein Pri⸗ vatunterricht im Griechiſchen und Lateiniſchen von den Studirenden geſucht und geſchaͤtzt. Die Caͤcilie ruͤckte mit ungkaublicher Schnel⸗ ligkeit vor. Da ihm ein guter Vers wenig