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ren kaum erwarten ließ. Das verdiente Lob, das ich ihm oͤffentlich ertheilte, veranlaßte ihn, nach einiger Zeit mich zu beſuchen, um mir einige ſeiner Gedichte zur Beurtheilung vorzulegen. Es waren Sonette, Epiſteln und Elegien, mangelhaft von mebreren Seiten, aber an einigen Stellen unuͤbertrefflich, und im Ganzen unbezweifelbare Beweiſe von wah⸗ rem Dichtertalent. Wo das Gefuhl entſchei⸗ den mußte, vertheidigte er ſeine Anſichten. Auch dieß gefiel mir. Wir wurden immer naͤher mit einander bekannt. Wieland war damals beſonders nach ſeinem Geſchmack, ob⸗ gleich ſeine eigene Poeſie keinen Zug von der Satyre der Wielandiſchen datte. Die Heiter⸗ keit der Wielandiſchen Poeſie, verſicherte er mir, habe auf ſeinen Geſſt den gluͤcklichſten Einfluß gehabt. Ein ſtrenger Ernſt ſcheine ihm das Leben und die Kunſt zu verderben. Er glaube, dieſe Meinung auch vor einem Profeſſor der Philoſophie nicht verbergen zu duͤrfen, weil er ſich nichts vorzuwerfen habe, das eine vernuͤnftige Moral tadeln koͤnne. Auch von Andern erfuhr ich, daß an ſeinen Sitten nichts zu tadeln ſei, außer einem klei⸗ nen Leichtſinne, der aber nie leidenſchaftlich wurde, und nie die Grenzen des Anſtandes und der ſtrengſten Redlichkeit uͤberſprang. Es war ihm nur um eine ganz aͤſthetiſche Loſung der Aufgabe des menſchlichen Lebens zu thun.


