Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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Geſpenſt haſſen, Roland, der Du nie Jemanden etwas Böſes gethan?

Wohl! Du vergiſſeſt aber diejenigen, die ich in der Armee oder im Duell getödtet!

Amelie ſchüttelte den Kopf.

Ich fürchte dieſe nicht.

Das junge Mädchen erhob ihre in Thränen ge⸗ badeten Blicke zu Roland und warf ſich in die Arme ihres Bruders.

Ich weiß nicht, Roland; aber was willſt Du, ich habe Furcht.

Der junge Mann hob mit einer leichten Bewe⸗ gung den Kopf Amelie's, welchen dieſe an ſeiner Bruſt barg, und fragte mit einem ſanften Kuß auf ihre langen Lider.

Du glaubſt nicht, daß es Geſpenſter ſeien, die ich morgen zu bekämpfen habe, nicht wahr?

Mein Bruder, geh' nicht nach der Karthauſe, drängte Amelie mit bittendem Tone, indem ſie der Frage auswich.

Unſere Mutter hat Dir den Auftrag gegeben, das von mir zu fordern, geſtehe, Amelie.

O! mein Bruder, nein, meine Mutter hat nicht ein Wort geſagt; ich ahnte, daß Du dahin gehen wolleſt.

Nun, wenn ich dahin gehen wollte, Amelie, ſagte Roland in feſtem Tone,ſo ſollſt Du jetzt eines wiſſen, daß ich gehen werde.

Und, wenn ich Dich mit gefalteten Händen bitte, ſagte Amelie mit beinahe ſchmerzlichem Accente; wenn ich Dich auf meinen Knieen bitte?

Und ſie ſank vor ihrem Bruder auf die Kniee.