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„Ei,“ machte er, halb erſtaunt, halb unruhig, „Du biſt es, Amelie!“
„Ja, ich bin es;“ ſagte das junge Mädchen.
Und indem ſie, auf ihren Bruder zugehend, die⸗ ſem die Stirne zum Kuſſe bot, ſagte ſie in bittendem Tone:
„Du gehſt nicht, mein Freund, nichs wahr?“
„Wohin?“ fragte Roland.
„Nach der Karthauſe.“
„Aber wer hat Dir geſagt, daß ich dahin gehe?“
„O wenn man Dich kennt, iſt die Vermuthung wohl ſchwer!“
„Und warum willſt Du, daß ich nicht nach der Karthauſe gehen ſoll?“
„Ich fürchte, es möchte Dir ein Unglück be⸗ gegnen.“
„Du glaubſt wohl an Geſpenſter?“ ſagte Roland, indem er ſeinen Blick auf Amelie heftete.
Amelie ſenkte den Blick und Roland fühlte die Hand, die auf ſeinem Arme ruhte, zittern.
„Nun,“ ſagte Roland,„Amelie, die ich ſonſt wenigſtens kannte, die Tochter des General von Montrevel, die Schweſter Roland's iſt zu geſcheidt, um ſich gewöhnlicher Furcht hinzugeben; es iſt un⸗ möglich, daß Du an dieſe Geſchichten von Ketten, Flammen, Geſpenſtern und Erſcheinungen glaubſt.“
„Wenn ich daran glaubte, mein Freund, wären meine Befürchtungen weit geringer; wenn es Ge⸗ ſpenſter gibt, ſo ſind es körperloſe Geiſter, die dem⸗ zufolge nicht mit dem Haß der Materie aus ihren
Gräbern ſteigen können; und warum ſollte Dich ein
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