Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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keine Sorge für den nächſten Tag. Die Jugend iſt der Frühling mit ſeiner friſchen Morgenröthe und ſeinen ſchönen Abenden; zieht manchmal ein Sturm am Himmel auf, ſo bricht er unter Donner los und iſt ebenſo raſch vorüber: der Himmel aber blaut noch einmal ſo ſchön, die Atmoſphäre iſt noch einmal ſo rein und die ganze Natur lächelt freundlicher, denn zuvor.

Wozu an die Urſachen dieſes Sturmes denken, der raſch wie eine Laune, ephemer wie eine Phan⸗ taſie vorübergeht? Ehe wir die Löſung des meteo⸗ rologiſchen Räthſels haben, iſt der Sturm vorbeige⸗ rauſcht.

Anders aber iſch⸗ mit dieſen furchtbaren Phäno⸗ men, die gegen Ende des Sommers unſerer Ernte drohen, die im Herbſte unſere Weinberge belagern: man frägt ſich, wohin ſie gehen, man kümmert ſich darum, woher ſie kommen und ſucht das Mittel, ihren Schaden abzuwenden.

Für den Denker, für den Geſchichtſchreiber, für den Dichter nun liegt ein ganz anderer Stoff tieferen Erwägens in den Revolutionen, dieſen Stürmen der ſocialen Atmoſphäre, die die Erde mit Blut bedecken und eine ganze Generation von Menſchen vernichten, als in den Stürmen des Himmels, die eine Frucht⸗ ernte überſchwemmen, und eine Weinernte verhageln, das heißt, die Hoffnung eines einzigen Jahres ver⸗ nichten und ein Unheil anrichten, das, weitgegriffen, das folgende Jahr wieder gut machen kann, wenn der Herr nicht gerade ſeine Zornestage hat.

Ehedem würde ich, ſei es aus Vergeßlichkeit, ſei es aus Gleichgültigkeit, vielleicht auch aus Unwiſſen⸗