Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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MW

heit glücklich wer da nicht weiß! unglücklich wer da weiß! ehedem würde ich wohl die Geſchichte, die ich meinen Leſern heute mittheilen will, erzählt haben, ohne mich bei dem Orte aufzuhalten, wo die erſte Scene meines Buches ſpielt, ich hätte ohne Weiteres dieſe Scene geſchrieben, ich hätte den Süden wie eine zweite Provinz behandelt, Avignon wie eine zweite Stadt genannt.

Aber heute iſt das nicht mehr der Fall; ich lebe nicht mehr in den Stürmen des Frühlings, ſondern in den Wettern des Sommers und den Ungewittern des Herbſtes. Wenn ich heute Avignon nenne, ſo citire ich ein Geſpenſt und wie Antonius, als er das Todtentuch von Cäſars Leiche wegnahm, ausrief: Hier ſchauet! fuhr des Caſſius Dolch herein; ſeht, welchen Riß der tückſche Casca machte! Hier ſtieß der vielgeliebte Brutus durch! ſo ſage ich, indem ich das blutige Leichentuch der päpſtlichen Stadt an⸗ blicke:Hier fließt das Blut der Albigenſer, dort das Blut der Camiſarden; hier das Blut der Re⸗ publikaner, dort das Blut der Royaliſten; hier das Blut Lescuyers, dort das Blut des Marſchalls Brune.

Und ich fühle mich von einer tiefen Trauer erfaßt und beginne zu ſchreiben; aber bei den erſten Zeilen gewahre ich, daß, ohne mich deſſen zu verſehen, der Griffel des Hiſtorikers in meiner Hand an die Stelle des Romanſchreibers getreten.)

Nun, wir wollen beides ſein: gönne, lieber Leſer, die zehn, die fünfzehn, die zwanzig erſten Seiten dem Hiſtoriker, die übrigen gehören dem Romanſchreiber.

Sagen wir deßhalb einige Worte von Avignon,